In letzter Zeit hört man wieder viel über Studienfinanzierung und speziell Studiengebühren, nicht zuletzt, weil sie zum Beispiel in Hessen nach nur einem Jahr wieder abgeschafft wurden.
Momentan erheben sieben Bundesländer Studiengebühren: Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und das Saarland. Doch wer denkt, dass diese Bundesländer die gleichen Gebühren erheben, irrt. So bezahlen in Bremen nur Studierende, die ihren Erstwohnsitz außerhalb Bremens haben, in Bayern und Nordrhein-Westfalen bestimmen die Universitäten selbst über ihre Gebühren, wohingegen in anderen Ländern wie zum Beispiel Hamburg und Baden-Württemberg jeder Studierende 500 Euro pro Semester zahlen muss.
So kommen viele Studenten schon jetzt nicht mehr um einen Studienkredit herum, denn nur manche Universitäten befreien besonders gute Studenten, Stipendiaten der Begabtenförderungswerke oder Studenten mit Kind von den Gebühren.
Nicht zu vergessen ist aber auch der Semesterbeitrag, den man an jeder Uni zahlen muss. Von diesem Geld werden beispielsweise das Studentenwerk, Hochschulsport und andere Einrichtungen finanziert. Außerdem enthält es oft ein Semesterticket für Bus und Bahn. Logischerweise unterscheiden sich auch diese Beiträge stark. So bezahlt man Ilmenau nur circa 65 Euro, in Dortmund hingegen knapp 160 Euro.
Vor diesem Hintergrund sollte man also gründlich überlegen, wo man studieren will, da es offensichtlich nicht in allen Bundesländern sein muss, einen Studienkredit aufzunehmen.
In Baden-Württemberg sollen 300 Professoren aus den Studiengebühren finanziert werden. Demnach werden zukünftige Einnahmen aus den Studiengebühren auch direkt für das Gehalt der Professoren ausgegeben. Dies war bislang tabu. Begründet wird das von Peter Frankenberg mit dem Umstand, dass eine bessere Betreuung der Studenten auch eine Verbesserung der Ausbildung darstellt und es somit zulässig sei, Professoren die dafür eingestellt werden auch mit Teilen der Studiengebühren zu finanzieren. Nicht zuletzt würden die Stellen mit einem gesichterten festen Grundgehalt auch für Top-Bewerber attraktiver, was ebenfalls der Ausbildung zu Gute kommt.
Alle Pros und Kontras könnt ihr beim Spiegel nachlesen.
An der FH Münster übernimmt die Uni die Förderung besonders herausragender Studenten. Dazu wurde ein Teil der eingenommenen Studiengebühren angelegt und von dem Gewinn werden nun Stipendien vergeben. Für das Modell wurde nordrhein-westfälische Studienbeitragsgesetz geändert. Damit wollen die Hochschulen mehr Beteiligung an der Förderung der Lehre erhalten. Auch die Uni Duisburg Essen hat eine ähnliche Stiftung gegründet und zeigt: Das Modell hat Zukunft. Gegenstimmen kommen vor allem vom AStA (allgemeiner Studierendenausschuss).
Die FazJob.net berichtet ausführlich unter folgendem Link: Studiengebühren - Den Beitrag gibt’s per Überweisung zurück
In Baden-Württemberg, genauer gesagt in Eppelheim, können Studenten ihre Studiengebühren abarbeiten. Das Projekt läuft schon seit einem Jahr und wurde vom Bürgermeister der 14000 Seelen Stadt ins Leben gerufen. So werden die 500 EUR Studiengebühren an deine Universität überwiesen, wenn du 60 Stunden pro Semester allgemeinnützige Arbeit leistest.
Dabei sind die zu erledigenden Tätigkeiten auf deinen Studiengang zugeschnitten. So können Sprachwissenschafftler Nachhilfe geben, Sportstudenten trainieren Jugendliche und Medizinstudenten helfen bei der Altenpflege. Doch ein Problem bleibt: Das Eppelheimer Modell ist mittlerweile schon so bekannt, dass sich auf die 20 verfügbaren Stellen bis zu 160 Kandidaten melden. Bleibt zu hoffen, dass andere Städte mit ähnlichen Ideen folgen, denn bei nur 60 Stunden beträgt der Stundenlohn mehr als manch anderer Job.
| Bundesland | Studiengebühren | Studien-konten* | Besonderheiten |
| Baden-Württemberg | 500 EUR | - | - |
| Niedersachsen | 500 EUR (Langzeitstudiengebühren von 600 bis 800 EUR) | - | - |
| Nordrhein-Westfalen | 500 EUR (Langzeitstudiengebühren von 650 EUR für alle, die mehr als das 1,5fache ihrer Regelstudienzeit für ihr Studium benötigen) | - | gilt für viele Hochschulen im Bundesland |
| Hamburg | 375 EUR ab dem Wintersemester 08/09 | - | Beiträge werden erst nach dem Examen und ab einem Jahresgehalt von 30000 EUR eingezogen |
| Saarland | 300 EUR für das 1. und 2. Semester, danach 500 EUR | - | - |
| Hessen | keine Gebühren mehr ab dem Wintersemester 08/09 | - | - |
| Berlin | - | (noch) keine | Studienkonten sind geplant (500 EUR) |
| Brandenburg | - | - | - |
| Mecklenburg Vorpommern | - | - | - |
| Schleswig-Holstein | - | - | - |
| Sachsen | - | - | - |
| Bremen | Langzeitstudiengebühren von 500 EUR (ab dem 14. Semester) | - | - |
| Bayern | bis zu 500 EUR (FHs min. 100 und Unis min. 300 EUR) | - | - |
| Rheinland-Pfalz | - | 650 EUR | - |
| Sachsen-Anhalt | 500 EUR bei 4 Semestern über der Regelstudienzeit | - | - |
| Thüringen | 500 EUR bei 4 Semestern über der Regelstudienzeit | - | - |
Stand ist der 28.07.2008
* Was Studienkonten sind kannst du bei Wikipedia nachlesen: de.wikipedia.org/wiki/Studienkonto
Nach dem Hessen Mitte Juni die Studiengebühren wieder abschaffte, lenkte nun auch der letzte Widerständler aus dem Land ein. Die EFH Darmstadt wollte die Studiengebühren vor allem aufgrund notorisch lehrer Kassen ihren Studenten maximal einen Rabatt von 200 EUR gewähren. Nun fand die Hochschulleitung zur alten Grundhaltung zurück und schafft die Gebühren komplett ab. Nachzulesen im Spiegel.
Hamburg versucht unterdessen ein anderes Gebührenmodell. Hier sollen die Gebühren von “Während des Studiums” auf “Nach dem Studium” verschoben werden.
Die Studenten sollen so eine Entlastung während der Studienzeit erhalten und können die Gebühren bei beruflicher Tätigkeit begleichen. Allerdings ist auch ohne Studiengebühren ein Studentenleben nicht kostenlos und einzig die Abschaffung der Gebühren heißt nicht, dass du nun mehr Zeit für dein Studium hast. Hinzu kommt dass dieses Studiengebührenmodell nicht jedem zur Verfügung steht. So ist es allen ab 45 Jahren verwehrt, ihre Gebühren auf diesem Wege zu begleichen. Außerdem musst du dein Studium in der Regelstudienzeit plus maximal 2 Semester abschließen. Weitere Infos findest du bei dem FSZ.
Mit der Einführung der Studiengebühren in Nordrhein Westfalen keimte bei vielen die Hoffnung auf, dass die zusätzlichen Einnahmen der Hochschulen für neue Lehrmaterialen, wie Bücher, Computer und Tutorien verwendet werden können. Doch nun erhielt diese Zuversicht einen Dämpfer.
Die Universität Bonn will bis 2010 mehr als 150 Stellen streichen und damit ca. 8 Millionen Euro einsparen. Viele Professoren fürchten um ihre Arbeitsplätze und bieten eine Alternative zur Streichung der Stellen an. Sie wollen den Abbau ihrer Stellen mit Studiengebühren auffangen. Demnach bezahlen die Studenten ihre Professoren bald selber.
Das Institut für Psychologie muss rund 160.000 Euro einsparen. Dies entspricht in etwa drei Vollzeitstellen, die in Gefahr sind und jetzt mit einem Teil von Studiengebühren erhalten werden sollen. Dies ist ein mustergültiges Beispiel dafür, dass Mittel, die zur eigentlichen Verbesserung der Studienbedingungen genutzt werden können, dafür eingesetzt werden müssen, um eine Verschlechterung zu vermeiden.
Viele Studenten geben vor allem der nordrhein-westfälischen Landesregierung die Schuld daran. Diese setze den unter damaliger rot-grüner Landesregierung entstandenen “Qualitätspakt” um, der besonders die Bonner Universität in Schieflage bringt. Hinzu kommt, dass Universitäten auf Grund des Hochschulreifegesetzes ihren Haushalt mittlerweile selber managen und etwaige gestiegene Gehaltskosten selbst ausgleichen müssen. Dies kommt der Universität und noch viel mehr dem Studenten teuer zu stehen.
Zu Beginn des Wintersemesters diesen Jahres könnten die Studiengebühren wieder Geschichte sein, zumindest in Hessen. SPD und Grüne haben einen Antrag zur Finanzierung der Schulen aus Steuereinnahmen eingereicht, CDU und FDP lehnen diesen ab.
Aktuell liegt der Antrag bei den Ausschüssen vor, welche dann entscheiden werden, wie es mit den Studiengebühren weitergeht.
Die Umstellung des Studiums auf die neuen Abschlüsse Bachelor und Master haben die Niederlande schnell und ohne übeflüssige Bürokratie im kompletten Land umgestellt, die Unis sind sehr sauber und wirklich gut ausgestattet. Viele Kurse werden auf Englisch gehalten, am University College Maastricht (UCM) gibt es sogar ein ganzes Bachelorprogramm in der Sprache, zugeschnitten auf Europa. Außerdem haben die Niederlande keinen Numerus Clausus, du kannst also alles studieren was du möchtest.
Du entscheidest dich für einen von drei Richtungen (Life Sciences, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften). Egal welche Richtung du einschlägst, überall bekommst du ein reichhaltiges Angebot an frei wählbaren Kursen. Dazu kommen Kurse aus weiteren Schwerpunkten und jede Menge Projektarbeiten. Nicht zuletzt sind es die Learning Communities, die es dir und den anderen Studenten ermöglichen, sich im Studium selbst zu organisieren. Problembasiertes Lernen wird es genannt und es bedeutet lediglich, dass man hier eben nicht in riesigen Hörsälen sondern im Selbststudium in kleinen Gruppen lernt. Dafür ist auch das UCM bekannt.
Die Niederlande zahlen jedem Studenten 250 EUR pro Monat. Die Uni erhält vom Staat für dich ca. 15% mehr als eine Deutsche bekommen würde. Doch allein davon können sich die Hochschulen nicht finanzieren. Studiengebühren von rund 1560 EUR pro Jahr musst du beisteuern, um einen der guten, auch am Arbeitsmarkt sehr angesehenen Studiengänge absolvieren zu können. Nun könnten dich nur noch die Mietpreise aufhalten: die liegen bei durchschnittlich 300 EUR pro Monat für ein kleines Zimmer ohne eigenes Bad ist der Standard in den Hochschulstädten.
Ob du den Sprung wagst und den anderen ca. 12000 Deutschen folgst liegt ganz bei dir.
In den von der CDU regierten Bundesländern wird es kein einheitliches Studiengebühren-Modell geben. Die Länder sollen selbst entscheiden, ob sie eine Einheitsgebühr für ein Studium fordern oder den Hochschulen die Entscheidung über die Höhe der Studiengebühren zustehen.
“Wir wollen kein Einheitsmodell, wir wollen Wettbewerb”, sagte der baden-württembergische Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU), nach einem Bericht der Zeitung Die Welt.
Fest stehe aber, daß die Studiengebühren pro Semester 500 Euro nicht überschreiten dürfen und die einzelnen Bundesländer Darlehen anbieten werden, die erst nach Ende des Studiums zurückgezahlt werden müssen.
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